Aktienselektion: Eher dogmatisch oder doch opportunistisch?

12. März 2021

Analysiert man die Wertentwicklung des breiten europäischen oder US-amerikanischen Aktienmarktes fällt auf, dass derzeit insbesondere die Aktien steigen, die eine eher geringe Bilanzqualität, eine eher schwache Profitabilität, eine hohe Kursvolatilität und ein geringes Gewinnwachstum aufweisen. Vollkommen irrational ist das allerdings nicht. Denn bei diesen Aktien handelt es sich i.d.R. um Unternehmen, die in den letzten Jahren massiv an den Börsen abgestraft wurden, nun aber mit Blick auf ein absehbares Ende der Corona-Pandemie und in Kombination mit einer nach wie vor exorbitant expansiven Geld- und Fiskalpolitik von einem Umfeld profitieren, in dem größere ökonomische Risiken eher nicht zu erwarten sind. Von einem Umfeld kurzfristig niedriger ökonomischer Risiken profitieren aber logischerweise vor allem Unternehmen mit grundsätzlich eher wackeligen Geschäftsmodellen – so ist die seit einigen Wochen zu beobachtende Aufholjagd dieser sonst als „Schmuddelkinder“ eingestuften Aktien durchaus erklärbar. Die Millionen-Dollar-Frage ist jedoch die, wie lange eine solche Situation anhält, in der eher Aktien performen, die aufgrund ihrer suboptimalen Eigenschaften langfristig nicht in einem Portfolio enthalten sein sollten. Ist man als Portfoliomanager gut beraten, hier dogmatisch zu bleiben und eisern an seinen langfristig richtigen Prinzipien festzuhalten? Die Frage ist nur schwer zu beantworten – wir versuchen es trotzdem.

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