Konjunktur & Strategie
23. April 2026

Die Deglobalisierung gewinnt an Fahrt: Ändert sich nun die Aktienmarktbewertung?

Beitrag von Dr. Christian Jasperneite

Wer bisher noch nicht ganz glauben wollte, dass die Welt langsam eine neue Phase der Deglobalisierung driftet, dürfte spätestens mit den Entwicklungen im Iran-Krieg und der Sperrung der Straße von Hormus verstanden haben, dass die alte Welt nicht mehr existiert. Dabei ist eine solche Umkehrung von einer Phase der Globalisierung hin zur Deglobalsierung nicht neu.

Wenn die Globalisierung nun aber beschleunigt „rückwärts läuft“, verändert sich nicht nur die reale Wirtschaft, sondern auch die Logik, nach der Aktien bewertet werden. In einer Welt der Deglobalisierung sind Lieferketten meist weniger effizient, und Unternehmen optimieren weniger auf reine Stückkosten und Geschwindigkeit, sondern auf Resilienz und Diversifikation. Diese Verschiebung zwingt auch Investoren dazu, Bewertungen neu zu justieren, weil sich die Qualität, die Stabilität und das Wachstum von Cashflows je nach Geschäftsmodell anders entwickeln. Und da das KGV letztlich eine indirekte Aussage über Wachstum, Margen, Kapitalbedarf und Risiko trifft, erscheint es plausibel, dass sich in einer Deglobalisierungsphase faire KGVs bei einzelnen Aktien und ganzen Sektoren verschieben sollten.