Dr. Christian Jasperneite im Interview: "Eurobonds sind nicht die Lösung"

8. April 2020

M.M.Warburg & CO

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und der Situation in einigen europäischen Staaten wird momentan erneut über die Einführung von Eurobonds diskutiert und gestritten. Mit diesen EU-Anleihen sollen bereits hoch verschuldete EU-Staaten zu relativ günstigen Konditionen mit Liquidität versorgt werden. Die Haftung für diese Anleihen würden alle Mitgliedsstaaten übernehmen und so bessere Zinskonditionen für das geliehene Geld ermöglichen.

Dr. Christian Jasperneite, Chefanlagestratege von M.M.Warburg & CO, sieht darin jedoch keine Lösung für die aktuellen Probleme von EU-Staaten wie Spanien oder Italien. Er betont: "Natürlich muss man Italien helfen. Man muss auch dafür sorgen, dass sich Länder wie Spanien gut refinanzieren können. Das passiert auch dadurch, dass die EZB im Moment massiv spanische, italienische und französische Anleihen aufkauft. Viel mehr als deutsche Anleihen." Auch eine Aktivierung des Europäischen Rettungsmechanismus (ESM) oder die Ausweitung des EU-Haushalts könnten probate Mittel sein.

"Wir brauchen keine Eurobonds. Das wäre ordnungspolitisch falsch und verschlechtert die Lage in den kommenden Jahren eher", sagt der Chefanlagestratege. Würde Italien ein mit Deutschland vergleichbares Corona-Hilfspaket schnüren, so würde das verschuldete Land bei einer Finanzierung mit Eurobonds laut Dr. Jasperneite pro Jahr etwa 2 Milliarden Euro sparen. Der Experte sagt: "Ich hätte nichts dagegen, wenn Deutschland Italien jedes Jahr diese 2 Milliarden Euro schenken würde." Seine Gründe für diese Sichtweise erläutert Dr. Jasperneite in diesem Interview.

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