Chaostage in Großbritannien

20. Oktober 2022

Ist sie noch da? Oder doch schon weg? Es geht, wie könnte es in diesen Tagen auch anders sein, um die britische Premierministerin Liz Truss. Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt, ist, dass die Politik im Vereinten Königreich seit geraumer Zeit einen Eindruck macht, der sich selbst bei wohlwollender Beurteilung nur noch als „vogelwild“ bezeichnen lässt. Während zumindest die Fans von Reality Shows derzeit bei dem, was sich in Westminster und in der Downing Street 10 abspielt, voll auf ihre Kosten kommen dürften, geben die Hauptakteure der britischen Politik für alle anderen am politischen Geschehen Interessierten nur noch ein Bild des Grauens ab. 

Die als ihr Markenzeichen entwickelte politische Philosophie der „Trussonomics“ ist mit Pauken und Trompeten gescheitert. Dabei waren die ökonomischen Ziele, die sich Liz Truss gesetzt hatte, durchaus nachvollziehbar und keineswegs revolutionär. So machte sie frühzeitig klar, dass sie die Privathaushalte mit einem Energiepreisdeckel deutlich entlasten und dass sie zudem die Wettbewerbsfähigkeit der britischen Wirtschaft über kräftige Steuersenkungen verbessern wollte. Das sind an und für sich keine verwerflichen Ideen. Das Problem war allerdings, dass die Frage der Gegenfinanzierung dieses Paketes, das zu weniger Einnahmen und mehr Ausgaben führen würde, völlig offengelassen wurde. Sie hoffte wohl, dass sich ihre Vorschläge mehr oder weniger von selbst finanzieren würden, frei nach dem Motto „mehr Wachstum sorgt für noch mehr Einnahmen“. Dass diese auf dem Prinzip Hoffnung basierende Annahme aber in der Realität nicht funktioniert, lernen Studierende der Volkswirtschaftslehre heute schon im ersten Semester. 

„Ich bin eine Kämpferin, keine Drückebergerin!“, hieß es zuletzt von ihr. Doch nun hat Liz Truss doch ihren Rücktritt angekündigt. Ob das Chaos in Großbritannien damit wirklich endet? Wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen mit Boris Johnson. Dann könnte die Polit-Show in die nächste Runde gehen…Als Anleger sollte man jedenfalls zunächst einen großen Bogen um britische Investments machen.

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