Kommt die Zinswende?

5. November 2021

Wenig überraschend hat der US-amerikanische Notenbankpräsident Jerome Powell gestern Abend angekündigt, dass die Federal Reserve noch in diesem Monat damit beginnen wird, ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Angesichts der wirtschaftlichen Erholung, vor allem aber aufgrund der zuletzt deutlich gestiegenen Inflationsrate, ist es richtig, den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen, wobei Powell nochmals deutlich gemacht hat, dass die Zentralbank den Prozess des „Taperings“ nur sehr langsam und vorsichtig umsetzen wird. Die angekündigte Vorgehensweise der US-Notenbank ist allerdings nicht unumstritten, nicht wenige Ökonomen und Marktteilnehmer kritisieren, dass sich die Fed „behind the curve“ befinde und die Inflationsrisiken durch ein zu spätes Gegensteuern weiter anheize. 

Wir halten es nach wie vor für wahrscheinlich, dass der Preisdruck im nächsten Jahr nachlassen wird, auch wenn es so aussieht, dass die Lieferengpässe ein länger anhaltendes Problem bleiben werden. Allerdings muss man konstatieren, dass die Prognoseunsicherheiten angesichts der Unwägbarkeiten, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat, größer denn je sind. Immerhin sind in den vergangenen sechs Wochen die Öllagerbestände in den USA deutlich angestiegen, und auch bei den Transportkosten zeichnet sich mittlerweile eine Entspannung ab.

Von daher gehen wir davon aus, dass die Geldpolitik in der Eurozone und (in etwas geringerem Ausmaß) in den USA expansiv bleiben wird. Dies spricht gegen das Szenario einer nachhaltigen Zinswende. Allerdings sollte man nicht übersehen, dass in diesem Jahr bereits einige Notenbanken die Zinsen erhöht und somit die Geldpolitik gestrafft haben. Insofern lässt sich konstatieren: Die Zinswende hat längst begonnen, auch wenn viele sie noch nicht so richtig wahrnehmen. 

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