Krieg in Europa: Weniger Wachstum und mehr Inflation, DAX-Kursziel reduziert

11. März 2022

Auch wenn Aussagen zum militärischen Verlauf des Krieges nur unter Vorbehalt zu treffen sind, sieht es bislang so aus, dass das russische Militär weniger Fortschritte gemacht hat, als es wohl eigentlich erwartet hatte. Dennoch bleibt es wahrscheinlich, dass die gesamte Ukraine oder zumindest ein großer Teil von ihr in den kommenden Tagen und Wochen von Russland annektiert wird. Doch selbst wenn es Russland gelänge, die gesamte Ukraine zu erobern, würde die dort verbleibende ukrainische Bevölkerung wahrscheinlich gegen ein Marionettenregime in Kiew kämpfen. Russland könnte somit eine langwierige, kostspielige und mit hohen menschlichen Verlusten verbundene Besetzung der Ukraine drohen. Selbst wenn Putin also den Krieg in der Ukraine gewinnt, gewinnt er damit noch lange nicht den Frieden.

Wir hatten bereits in der vergangenen Woche unsere Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr von vier auf drei Prozent nach unten revidiert und die Inflationsprognose von 4,1 auf 5,7 Prozent im Jahresdurchschnitt angehoben. Allerdings nehmen die konjunkturellen Risiken mit jedem Tag, an dem sich die Rohstoffpreise in Schwindel erregender Höhe befinden, weiter zu. Da die Kaufkraft der privaten Haushalte aufgrund der weiter steigenden Inflationsraten sinkt, ist zu befürchten, dass der Konsum als erhoffter Wachstumsmotor in diesem Jahr ausfällt oder von ihm zumindest geringere Wachstumsimpulse ausgehen als bislang erwartet wurde. Hiervon sind vor allem Deutschland und Europa, weniger dagegen die USA, betroffen. 

Der DAX hat mittlerweile eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung eingepreist. Kommt es nicht so negativ oder verbessert sich die Nachrichtenlage im Krieg zwischen Russland und der Ukraine, könnten sich die Kurse auch sehr schnell um zehn bis fünfzehn Prozent erholen. Den Fall einer nachhaltigeren wirtschaftlichen Abschwächung bis hin zu einer Rezession spiegeln die Aktienkurse jedoch noch nicht wider.

 

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